Jusos Köln

Jusos Köln fordern den Erhalt der selbst gegründeten Obdachlosenhilfe in der Bonner Straße

Köln, der 25. Juni 2020

Als die Jusos Köln gestern die Bewohner*innen in der Bonner Straße besuchten, kam die inoffizielle Mitteilung, dass das Gebäude geräumt werden solle. Nachdem sich am Morgen des 25.06 gegen 5.30 Uhr die Jusos und weitere Gegendemonstrant*innen versammelt hatten, kam die Meldung, dass die Räumung nicht statt finden würde. „Für uns ist es nicht ersichtlich, wieso erst etliche Hundertschaften positioniert werden, um sie dann wieder abrücken zu lassen. Es wirkt als hätte Frau Reker weder Plan noch Kontrolle in dieser Sache.“, kritisiert Lena-Marie Snelting (Vorsitzende der Jusos Köln)

Die Jusos Köln fordern deutlich, dass das bereits seit Januar besetzte Haus in der Bonner Straße erhalten bleiben soll oder es muss den darin lebenden Menschen mindestens ein vergleichbares Objekt von der Stadt Köln angeboten werden. „Was sich die dort lebenden Menschen aus eigener Kraft geschaffen haben, ist ein Paradebeispiel für das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Statt das Projekt ersatzlos zu zerstören, sollte eine Alternative geschaffen werden.“, sagt Timon Marland (Geschäftsführer der Jusos Köln und Kandidat für die Bezirksvertretung Rodenkirchen).

Die Jusos Köln kritisieren den Umgang mit den obdachlosen Menschen in der Bonner Straße auf das Schärfste. Die Stadt hatte den Bewohner*innen eine Duldung bis Ende Juli zugesagt und drohte heute mit der Räumung. „Wohnen ist ein Menschenrecht. Mit einer Räumung, ohne den Menschen einen alternativen Wohnort zu bieten, missachtet Oberbürgermeisterin Reker dieses Grundrecht. Das kann ein Pilotprojekt für potenzielle Folgeprojekte werden, die Stadt muss endlich das Potenzial sehen, das dahinter steckt.“, ergänzt Snelting.

Viele der Bewohner*innen der Bonner Straße haben das erste Mal seit langem eine echte Chance, wieder ein aktives und akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Anstatt sie darin zu unterstützen, werden ihnen vielmehr Steine in den Weg gelegt. „Was diese Menschen sich dort selbst aufgebaut haben und vor allem mit wie viel Energie und Arbeitseinsatz, obwohl sie wussten, dass sie wahrscheinlich nicht in der Bonner Straße bleiben können, zeigt wie viel Eigenmotivation dahinter steckt. Es wäre ein fatales Signal, alle jetzt ohne weiteres wieder auf die Straße zu setzen.“, meint Marland weiter.

Die Bewohner*innen finanzieren sich dabei größtenteils über Spenden und bauen sich aus Sachspenden und teilweise Sperrmüll neue Möbel. „Man kann diesen Menschen ohne großen Aufwand und mit niedrigen Kosten ein Minimum an Lebensqualität und Würde zurück geben. Aber so viel Weitblick ist in den zuständigen Instanzen offenbar nicht vorhanden.“ schließt Snelting ab.